Wir sind alle Carrot Workers!

5. Oktober 2009

Block 1 des Workshops mit prekären SozialwissenschaftlerInnenR0012018

Wir alle haben unsere Vorstellungen von einem schönen Leben. Wir wünschen uns selbstbestimmte Arbeit, die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten oder viel freie Zeit zum Reisen. Doch häufig sind diese Wünsche alles andere als unschuldig. Häufig sind sie Teil eines Deals. Wir nehmen widrige Umstände, schlechte Bezahlung und Unsicherheit in Kauf, weil wir uns etwas davon versprechen. Genau diesen Machtmechanismus hatte eine Gruppe von prekären Kulturschaffenden im Sinn, als sie sich Carrot Workers nannten.

Dieses Bild von der Karotte, dem Stock und dem Esel haben wir zum Ausgangspunkt für unseren Untersuchungsblock genommen. Wir haben uns und die Gruppe der prekären Sozial- und PolitikwissenchaftlerInnen nach unserem ganz persönlichen Versprechen der Prekarität gefragt und uns anschließend mit Karotte und Eselsmaske fotografiert. Hier sind die Ergebnisse:

Das Pentagramm der Prekarität

1. Oktober 2009

Block 2 des Workshops mit prekären SozialwissenschaftlerInnenRedaktions-Assistenz

Gute Bezahlung, viel Spaß, berufliche Anerkennung, gesellschaftliche Bedeutung und immer wieder etwas Neues zu lernen. Diese Merkmale kommen dem idealen Job recht nahe. Doch was hat das eigentlich mit deinen letzen drei Jobs zu tun? Diese Frage haben wir in unserem zweiten Untersuchungsblock uns und der Gruppe prekärer Sozial- und PolitikwissenchaftlerInnen gestellt. Dabei haben wir auf das „Pentagramm der Prekarität“ zurückgegriffen, das von der Mailänder Gruppe Chainworkers entwickelt wurde, um die Arbeitsverhältnisse in der dortigen Mode- und Designindustrie zu fassen. Die fünf Ecken des Pentagramms stehen für die eingangs erwähnten fünf Eigenschaften eines idealen Jobs (vermutlich gibt es noch einige mehr). In dieses Pentagramm kann man seine eigenen Jobs einzeichnen. Ein perfekter Job bringt ein perfektes Pentagramm hervor. Fast immer entstehen jedoch andere geometrische Figuren.
So auch bei unserem Untersuchungsworkshop. Jede geometrische Figur steht dabei für einen bestimmten Kompromiss, den wir eingehen. Viel Geld, viel Anerkennung und wenig Spaß; viel Spaß, große gesellschaftliche Bedeutung und wenig Geld; wenig Geld, kein Lernen und wenig Spaß usw. Bei unserem Workshop Mitte Juli war noch was auffällig. Während wir uns in der ersten Vorstellungsrunde als Promovierende, Diplompolitologinnen und Studenten vorgestellt hatten, kam beim Pentagramm eine zweite Realität zum Vorschein. Hier ging es um Putzen, Hartz IV und Aushilfsjobs.

„Nimm mich ernst, du Sau“

30. Juli 2009

Block 3 des Workshops mit prekären SozialwissenschaftlerInnenNimm mich ernst, du Sau!

Superhelden haben zwei Gesichter. Auf der einen Seite sind sie unscheinbar und unglücklich, haben Liebeskummer und alltägliche Probleme. Auf der anderen Seite verfügen sie jedoch über außergewöhnliche Interessen. Gleiches gilt – so zumindest unsere These – auch für die Prekären. Wir haben nicht nur alltägliche Probleme, wir haben auch das Potential dies zu verändern. Nachdem wir in dem ersten beiden Untersuchungsblöcken vor allem über den Peter Parker in uns gesprochen hatten, gingen wir jetzt einen Schritt weiter. Wir fragten nach möglichen Forderungen und möglichen Adressaten. Dabei haben wir uns neben den Superhelden vor allem von dem Scheißstreik im Pflegereich inspirieren lassen. Die Initiatoren des Scheißstreiks forderten prekäre Pflegekräfte dazu auf, ein Röhrchen mit Scheiße an diejenigen zu schicken, die ihrer Auffassung nach für die unhaltbaren Zustände in diesem Bereich verantwortlich seien.
Ausgehend von den Superhelden und dem Scheißstreik stellten wir uns und der Gruppe prekärer SozialwissenschaftlerInnen folgende Aufgabe: Schreibe deine Forderung auf ein Schild, lass dich mit einem Superheldenkostüm fotografieren und schicke dieses Bild an den Adressaten deiner Forderung. Die Ergebnisse waren recht unterschiedlich. Sie reichten von abstrakten Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen bis zu einem konkreten Konflikt zwischen den Aushilfen der Jugendhilfe e.V. und ihrer Chefin. Doch seht selbst: